Adivasis
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From Poverty to
Power-Tea
Der Weg der Adivasi in Gudalur (Südindien) zu einer
selbstbestimmten Entwicklung
1. Die Adivasi und ihr Leben vor der
Kolonialisierung
Die als Adivasi bezeichneten Naturvölker Indiens,
die einen Anteil von 7% an der Gesamtbevölkerung
ausmachen, gelten als die ursprünglichen Bewohner
Indiens. Sie sind im Laufe der Jahrhunderte von
den aus dem Norden eingewanderten Völkern meist in
entlegenere Bergregionen abgedrängt worden.
Bis vor 150 Jahren mit dem Teeanbau begonnen wurde,
lebten sie jedoch praktisch unberührt von der
„Zivilisation“ als Jäger und Sammlerinnen in den
Wäldern. Sie bezogen buchstäblich alles, was sie zum
Leben brauchten, aus dem Wald: Nahrung,
Baumaterialien, Werkzeuge, Medikamente, Kleidung,...
Ihre Lebensweise könnte man mit dem Begriff der
Nachhaltigkeit umschreiben. Insbesondere ihr auf
Geben und Nehmen ausgerichtetes Verhältnis zu ihrer
Umwelt zeigt, dass sie die Natur nicht als Objekt
der Ausbeutung und Unterwerfung, sondern als
Gegenüber des Austausches verstehen. Ihnen ist es
selbstverständlich auch künftige Generationen am
Reichtum des Urwaldes teilhaben zu lassen.
Dem entspricht eine Besitz- und Wirtschaftsform, die
sie von den Nicht-Adivasi unterscheidet. Sie kennen
ursprünglich weder Privateigentum noch Geld und
alle Stammesmitglieder teilen untereinander sowohl
Lebensgüter als auch Aufgaben auf. Wird z.B. ein
Haus gebaut, so hilft das ganze Dorf mit.
Ihr reiches Wissen und ihre Erfahrungen geben sie in
Form von mündlichen Erzählungen, Liedern und
ausdrucksvollen Tänzen an die folgenden Generationen
weiter.
Die Verstorbenen werden weiterhin als Teil der
Gesellschaft wahrgenommen und - ebenso wie Alte und
Kinder - in wichtige Entscheidungen miteinbezogen.
In ihren Dorfräten praktizieren sie eine Form
unmittelbarer Demokratie.
All diese Aspekte ihrer traditionellen Lebensweise
sind jedoch durch den allmählichen Verlust ihres
Lebensraumes, des Waldes, immer mehr in ihrem
Überleben gefährdet.
2. Die Enteignung der Ureinwohner
Mit dem Beginn der britischen Kolonialzeit (1700)
nahmen die Engländer nach und nach auch Gebiete der
Adivasi in Beschlag, die in immer abgelegenere
Gebiete vertrieben wurden. Nach einem relativ
friedlichen Beginn folgte ab der Mitte des 18.
Jahrhunderts eine aggressive Landnahme. Die
Kolonialherren führten in Indien umgehend ihr
Verwaltungssystem, ihre Kultur und ihre
Moralvorstellungen ein, abweichende Formen wurden
nicht geduldet. Sie zeigten kein Verständnis für die
Eigenheiten der in Indien beheimateten Kulturen und
betrachteten sich insbesondere den Naturvölkern
gegenüber als überlegene Zivilisationsbringer.
Wirtschaftlich war dieser europäische Sendungsgeist
meist ein willkommener Vorwand, das Land und seine
Ressourcen für die der eigenen Bereicherung dienende
Ausbeutung nutzbar zu machen. Mit der Einführung der
Plantagenwirtschaft sowie durch den Versuch
Bodenschätze zu erschließen wurden die
Bewegungsräume der Adivasi immer enger. Ganze
Landstriche wurden eingezäunt und den ehemaligen
Bewohnern der Zugang verwehrt. Da sie so etwas wie
beurkundete Besitzrechte nicht kannten und sie zudem
nicht schreiben konnten, konnten sie dieser
schleichenden Enteignung nichts entgegensetzen.
Viele gerieten in sklavenähnliche
Abhängigkeitsverhältnisse und wurden als
Plantagenarbeiter eingesetzt. Auch wenn bereits im
19. Jahrhundert die Sklaverei offiziell abgeschafft
wurde – bis dahin wurden die Ureinwohner von den
Grundbesitzern regelrechtwie Wild eingefangen –
blieben die Abhängigkeitsverhältnisse weiter
bestehen. Nicht wenige Adivasi mussten als „Sklaven
auf Zeit“ für nur zwei Mahlzeiten und ein Maß
ungedroschenen Reis pro Tag schwerste Arbeiten
verrichten.
Mit der Unabhängigkeit Indiens 1947 ging es den
Adivasi nicht viel besser. Die politische und
soziale Elite der indischen Gesellschaft folgte dem
Modell der Kolonialmacht. Zwar wurden in der
indischen Verfassung auch den Adivasi
Gleichberechtigung zugesichert und es wurden sogar
Anti-Diskriminierungsgesetze erlassen, doch führte
dies zu keiner Verbesserung der Situation der
Ureinwohner. Im Gegenteil: Nationale
Entwicklungsprojekte, wie z.B. Staudammbauten oder
die touristische Erschließung landschaftlich
reizvoller Gegenden führten dazu, dass sich das
Tempo der Enteignung, Vertreibung und Entwurzelung
der Adivasi-Gemeinschaften sogar erhöhte. Den
Ureinwohnern wurde schließlich in neuerer Zeit mit
Hinweis auf den Umweltschutz untersagt, den Wald in
ihrer traditionellen und nachhaltigen Weise zu
nutzen, und ganze Dörfer wurden umgesiedelt
Zwar begann das System der Schuldknechtschaft in den
60er und 70er Jahren zu bröckeln, doch blieben die
Stammesbewohner auch als Lohnempfänger im sozialen
Abseits und entfremdeten sich immer mehr von ihrer
ursprünglichen Lebensweise. Folge waren
Unterernährung, eine hohe Kindersterblichkeit,
Alkoholismus und allgemeine Lethargie. Auch jene
Adivasi, die eigenes Land bebauten, konnten sich
aufgrund von Korruption nicht sicher sein, Grund und
Boden nicht wieder zu verlieren.
3. Die Landrechtskampagne
Im Jahr 1986 begannen einige junge Adivasi aus der
Region Gudalur in den Nilgiri-Bergen auf Initiative
der nichtstaatlichen Selbsthilfeorganisation
ACCORD (Action for Community Organisation,
Rehabilitation and Development), sich gegen ihre
Entrechtung zu organisieren. Fünf in dieser Region
lebende Stämme belebten ihre alten Dorfräte (Sangams)
und schlossen sie zu einer übergreifenden
Interessenvertretung, dem Adivasi Munnetram
Sangam (AMS) zusammen. Dadurch gelang es nicht
nur das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken,
sondern auch nach und nach ein neues
Selbstbewusstsein wachsen zu lassen. Durch
politische Selbstorganisation und rechtliche
Aufklärungsarbeit stieg mehr und mehr das Gespür
für die täglich erfahrenen Rechtsverletzungen und
für die Möglichkeiten sich dagegen erfolgreich zur
Wehr zu setzen. Indem durch gezielte Pressearbeit
die indische Öffentlichkeit auf die Problematik
aufmerksam gemacht wurde, war es den korrupten
Justiz- und Polizeibehörden nicht mehr ohne
Weiteres möglich, die Adivasi einfach zu übergehen.
Als nun in gewohnter Weise ein Großgrundbesitzer
versuchte über das Land von Chorian, einem
Angehörigen des Stammes der Paniya, einen neuen
Zugangsweg zu seiner Plantage zu bauen, und einfach
dessen Pfefferstauden ausreißen ließ, stellte sich
ihm eine in Windeseile zusammengetrommelte Gruppe
von Adivasi entgegen und erhob Protest bei der
Polizei. Die Behörden mussten sich der Sache
annehmen. Die Nachricht, dass die Paniyas sich der
Macht eines Grundbesitzers widersetzt hatten,
breitete sich wie ein Lauffeuer aus.
Dadurch wurden auch andere Adivasi ermutigt, gegen
Rechtsverletzungen zu klagen und bei ihren
Bemühungen um die Rückerlangung des Landes ihrer
Vorfahren die Konfrontation mit den Behörden nicht
zu scheuen. Ein Ergebnis hiervon war wenig später
die erste Adivasi-Demonstration in der Geschichte
Indiens, an der über 10 000 Männer und Frauen
teilnahmen. Das Anliegen der Adivasi wurde damit
einer breiten Öffentlichkeit bekannt und die aus den
verstreuten Dörfern angereisten Ureinwohner erfuhren
so erstmals, welche Wirkung sie erzielen konnten,
wenn sie gemeinsam auftraten.
Im Folgenden erhielten auch andere Familien ihre
widerrechtlich enteigneten Grundstücke zurück.
Regierungsstellen nahmen sich der Sache an und
versprachen jeder Adivasi-Familie ein Stück Land.
Auch wenn zum Teil noch Jahre vergingen, ohne dass
etwas geschah, hatte die Landrechtsbewegung den
Durchbruch geschafft.
Mit einem Landaufbauprogramm stand ACCORD den
Adivasi helfend zur Seite, um das Erreichte
dauerhaft zu sichern: Auf dem Stammesland wurden
nun von vielen Familien Tee, Kaffee, Pfeffer und
Ingwer angebaut. Aus besitzlosen Plantagenarbeitern
wurden selbstständige Kleinbauern, die ihren Platz
innerhalb der lokalen Wirtschaft einzunehmen
begannen.
Sehr bald wurde jedoch klar, dass diese Erfolge erst
der erste Schritt sein konnten.
4. Sozialer Kampf um ein Leben in Würde
Das Programm von ACCORD ist ein mustergültiges
Beispiel für eine Entwicklungshilfe, die auf den
vorhandenen Ressourcen aufbaut und die Betroffenen
nicht bevormundet, sondern sie befähigt,
selbstbestimmt ihre Zukunft zu gestalten. Es
versucht insbesondere die traditionellen Elemente
der Adivasi-Kultur aufzunehmen und zu stärken, um
ein neues Selbstvertrauen wachsen zu lassen was
angesichts der zuvor herrschenden
Hoffnungslosigkeit auch unbedingt erforderlich war.
Als 1986 in Gudalur die Nichtregierungsorganisation
ACCORD für und mit den Adivasi gegründet wurde,
wurde schnell klar, dass zur Überwindung der
jahrzehntelangen Diskriminierung mehr notwendig war,
als den Adivasi formal zu ihrem Recht zu verhelfen.
Wenn sie dauerhaft in die Lage versetzt werden
sollten, in der modernen indischen Gesellschaft zu
bestehen, mussten sie eine Perspektive und ein neues
Selbstbewusstsein entwickeln. Um ihre
Lebensverhältnisse auf lange Sicht zu verbessern,
musste ihre Bildung, ihre Gesundheit und ihre
wirtschaftliche Grundlage gestärkt werden. Dabei
galt es ihre traditionellen Stärken und die
Möglichkeiten vor Ort als Basis für eine solche
Entwicklung zu nehmen.
Als Erstes wurde eine mobile medizinische Versorgung
(„Barfußärzte“) für die entlegenen Dörfer aufgebaut
und in Gudalur ein zentrales Krankenhaus errichtet.
Von Anfang an sollten die Ureinwohner maßgeblich an
der organisatorischen und pflegerischen Leitung des
Krankenhauses beteiligt sein es sollte von allen als
ihr Krankenhaus betrachtet werden. Das
Adivasi Hospital in Gudalur gilt heute als die
angesehenste medizinische Einrichtung der Region und
wird auch von Nicht-Adivasi gerne aufgesucht.
Des weiteren wurde mit der Vidyodaya School
eine Schule für die Adivasi entwickelt, die den
Kindern eine fundierte Grundbildung vermittelt. Sie
versucht einerseits die jungen Adivasi dazu zu
befähigen, den Herausforderungen der heutigen Welt
zu begegnen, andererseits aber auch die Werte ihrer
eigenen Kultur in das Lernen mit einzubeziehen. Auch
wenn noch nicht alle Kinder von diesem Schulprogramm
erreicht wurden, konnte seit dessen Beginn 1994 der
Alphabetisierungsgrad in den Stämmen der Nilgiris
auf ein Niveau gehoben werden, das sogar das der
Nicht-Adivasi in der Region übersteigt.
Zu dem Erfolg hat mit beigetragen, dass ein
begleitendes Projekt gestartet wurde, das zum Inhalt
hatte, die Stammessprachen zu verschriftlichen und
die mündlichen Erzählungen, mit denen
traditionellerweise Wissen weitergegeben wurde, zu
sammeln. An den staatlichen Schulen hingegen waren
kultur- und sprachspezifische Aspekte nicht
berücksichtigt und die Adivasi als „lernuntauglich“
abqualifiziert worden, so dass der Bildungserfolg
ausblieb.
Zum Scheitern verurteilt waren auch die
Hausbauprogramme des Staates für die Adivasi, mit
denen ursprünglich die Lebensqualität in den
daniederliegenden Siedlungen der Ureinwohner
gesteigert werden sollte. Da sie weder an das Klima,
noch an die Ressourcen und praktischen
Notwendigkeiten vor Ort angepasst waren, wurden sie
von den Bewohnern nicht angenommen. Deshalb
entwickelte ACCORD gemeinsam mit den Adivasi
Architekturmodelle, die traditionelles Wissen mit
moderner Bautechnik so verband, dass die
vorhandenen natürlichen Gegebenheiten sinnvoll
genutzt werden konnten.
5. Kauf der Teeplantage und Gründung der
Teekooperative
Als bekannt wurde, dass in einem von Adivasi
bewohnten Gebiet eine große Teeplantage zum Verkauf
stand, beschlossen die im AMS zusammengeschlossenen
Stämme, diese mit Hilfe eines Kredites, der ihnen
durch das Adivasi-Tee-Projekt in Deutschland
vermittelt worden war, zu erwerben.
Seit dem Sommer 1998 ist die Teeplantage „Madhuvana“
nun im Gemeinschaftsbesitz der Adivasi und hat zu
einer neuen Aufbruchstimmung bei diesen geführt:
Ureinwohner führen eine Plantage und gestalten diese
nach ihren Vorstellungen das klang in indischen
Ohren so unglaublich wie in den unsrigen die
Nachricht, dass eine Putzfrau in eine
Unternehmensleitung aufsteigt. Und die Adivasi
erzielen dabei beachtliche Ergebnisse.
Die Plantage bietet nicht nur vielen Frauen und
Männern ein geregeltes Einkommen, sondern trägt zur
Ausbildung zahlreicher dafür notwendiger Kompetenzen
bis hin zum Management bei mit anderen Worten, zum
weiteren Zuwachs von Selbstbewusstsein und Ansehen
bei den bisher von der Gesellschaft
Ausgeschlossenen.
Dabei steht allerdings nicht, wie in der
kapitalistischen Wirtschaft üblich, der
Profitgedanke im Vordergrund, sondern entscheidend
ist, was die Gemeinschaft als ganze hinzugewinnt.
Wobei bei diesem Gewinn nicht nur die materiellen
Werte und ihre Verteilung im Blick stehen. Mit den
hier erwirtschafteten Geldern wollen die Adivasi auf
mittlere Sicht gesehen ihre sozialen Einrichtungen
(vor allem Krankenhaus und Schule) finanzieren, um
somit unabhängig von Unterstützung von außen zu
werden. Nicht zuletzt bietet der fast ein Drittel
der Fläche bedeckende Urwald den Ureinwohnern die
Möglichkeit, ihre auf den Wald bezogenen Traditionen
zu pflegen und dadurch wertvolle Kenntnisse (z.B. in
der Naturmedizin) für die kommen den Generationen zu
bewahren. Mit seiner Artenvielfalt und zahlreichen
wilden Tieren (Elefanten, Leoparden, Pythons) ist er
ein unschätzbarer Wert an sich.
Seit dem Jahr 2000 profitieren nun auch zahlreiche
Kleinbauern, die in ihren Gärten Tee, Kaffee,
Pfeffer und andere Gewürze anbauen, von dem
gestiegenen Prestige der Adivasi als Erzeuger
landwirtschaftlicher Güter von hoher Qualität. Etwa
350 AdivasiFamilien schlossen sich in jenem Jahr zur
Kooperative „Adivasi Tea Leaf Marketing“
zusammen, um die Vermarktung ihres Tees selbst in
die Hand zu nehmen. Bis dahin mussten die
Kleinbauern die undurchschaubaren und unfairen
Bedingungen der Teeaufkäufer akzeptieren, wenn sie
nicht auf ihrer Ernte sitzen bleiben wollten. Nicht
wenige Adivasi wurden regelrecht übers Ohr gehauen.
So kam es immer wieder zu „Ungenauigkeiten“ bei der
Bestimmung der abgelieferten Mengen oder gar zur
Vorenthaltung des ausgehandelten Verkaufspreises.
Nunmehr haben diese Familien die Möglichkeit über
die Kooperative direkt mit der Teefabrik in Kontakt
zu treten, mit dieser günstigere Bedingungen
auszuhandeln und schließlich den dort verarbeiteten
Tee sogar selbst an die Handelspartner im In- und
Ausland zu vertreiben. Dadurch erzielten
Adivasi-Bauern etwa im Jahr 2001 pro abgeliefertem
Kilo grüner Teeblätter einen um 20- 30% über dem
ortsüblichen liegenden Preis.
6. Ein neues Problem taucht auf: Macht der Weltmarkt
das junge Pflänzlein kaputt?
Die in den vorangehenden Abschnittenn dargestellte
positive Entwicklung ist allerdings spätestens seit
2002 massiv gefährdet diesmal jedoch aus Gründen,
die außerhalb des Einflussbereiches der Adivasi
liegen: aus Gründen der so genannten
„Globalisierung“, die von den großen
Wirtschaftsmächten seit Jahren vorangetrieben wird.
Schon seit Jahrzehnten wird der Teewelthandel von
den großen Teebörsen dominiert, an denen einige
wenige Großeinkäufer (z.B. Konzerne wie Lipton,
Nestlé oder Teekanne) die Preise
bestimmen. Das heißt, der Einfluss der Produzenten
war schon bisher relativ klein. Was jedoch seit 1997
auf dem Weltmärkten zu beobachten ist, treibt die
klassischen Teeanbauregionen der Reihe nach in den
Ruin.
Viele Tonnen Schwarztee stehen in Lagerhallen auf
Halde und finden keine Käufer, da der Markt
gesättigt ist. Verantwortlich dafür ist u.a. die
Politik der WTO (World Trade Organisation),
die den Anbau von Tee in einigen unterentwickelten
Ländern Asiens und Afrikas förderte, damit diese aus
den Exporterlösen ihre Schulden an die reichen
Länder begleichen können. Länder wie Indonesien
stiegen in das Teegeschäft ein und konnten dank
Subventionen und billigerer Arbeitskräfte den
traditionellen Anbauländern wie Indien mehr und mehr
den Markt streitig machen. Als durch die
„Asienkrise“ die indonesische Währung abgewertet
wurde, verringerte sich der Teepreis weiter.
Innerhalb kürzester Zeit waren die Preise um über
die Hälfte gefallen.
Waren bisher schon sinkende Preise in Form von
sinkenden Löhnen vor allem an die schwächsten
Glieder der Handelskette, an die Plantagenarbeiter
und Teepflückerinnen, weitergegeben worden, konnte
in manchen Regionen jetzt überhaupt kein Lohn mehr
ausbezahlt werden, da die Preise unter die
Produktionskosten fielen und es nicht einmal
rentabel war die Ernte überhaupt einzuholen. Seitdem
liegt so manche Teeplantage auch in den Nilgiris
brach - mit fatalen Folgen für die Menschen, die
bisher vom Teeanbau lebten.
Diese Entwicklung ging natürlich auch nicht spurlos
an den Adivasi vorbei. Auch deren Teeplantage wirft
derzeit keinen Gewinn ab, so dass die angestrebte
Finanzierung der sozialen Gemeinschaftseinrichtungen
durch die Plantage bisher nicht verwirklicht werden
konnte.
Je unberechenbarer die Entwicklung auf dem Weltmarkt
für die kleinen Produzenten wird, desto mehr steigt
jedoch die Bedeutung andersgearteter
Handelsbeziehungen, wie sie seit einigen Jahren von
den Adivasi mit indischen, englischen und deutschen
Projektpartnern aufgebaut wurden.
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